

Der Weinanbau erlebt heute in Istrien einen Aufschwung und spielt nun eine andere geschichtliche Rolle. Die Zeiten haben sich geändert und so hat der Wein seine frühere wirtschaftliche Bedeutung verloren und ist heute untrennbar mit der istrischen Identität verflochten.
Doch entdecken wir nun das Geheimnis der Weine aus Istrien...
Heute ist der Malvasier die typischste und bedeutendste Sorte. Die weiße Rebe nimmt fast zwei Drittel der Weinbaufläche ein. Da Malvasier nur in Istrien angebaut wird, steht er für den istrischen Wein. In der Regel wird er trocken, ohne Restzucker ausgebaut und zeichnet sich durch seine strohgelbe Färbung sowie seine mittlere Struktur und Körper aus. Am besten schmeckt er im ersten Jahr nach der Lese.
Der Malvasier gehört zu den halbwürzigen Sorten mit einem kaum spürbaren Hauch nach Bittermandeln und einem fruchtig-blumigen Aroma, das meistens an Akazienblüten erinnert. Zuweilen, wenn die Weintrauben in besonders sonnigen Lagen reifen, ist der Wein strukturreicher und weist ein reifes, fruchtiges Aroma auf. In diesem Fall wird er meistens in kleinen Eichenfässern (Barriques) ausgebaut und gewinnt dadurch an Komplexität, Charakter und Lagerfähigkeit.
Das «Terroir», das sind die natürlichen Faktoren, die sich aus der besonderen Bodenbeschaffenheit eines jeden Weinlandes ergeben, sind für den Malvasier natürlich von wesentlicher Bedeutung. In Istrien findet man vor allem zwei unterschiedliche Bodenarten: zum einen die rote Erde (terrarossa) in den Küstengegenden, wo die Weine meist strukturreicher sind. Zum anderen Mergel im Landesinneren Istriens, wo man in der Regel Weine mit etwas delikaterem Aroma findet.
Die typischste und wichtigste Rotweinsorte Istriens ist der Teran. Es handelt sich um eine sehr ungewöhnliche Traube, der der Wein seine kräftig rubinrote Farbe mit violettem Schimmer, sein frisches und spritziges Aroma (meist nach Waldbeeren) und seinen ausgeprägten Charakter verdankt. In der Regel ist der Säuregehalt höher und der Körper im Vergleich zu den üblichen internationalen Rotweinen weniger stark ausgeprägt. Diese nur beim ersten Schluck spürbare Disharmonie und seine vielfältigen Eigenheiten machen den Teran zu einem überaus interessanten Rotwein, der angesichts der zunehmenden Nachfrage nach typischen, autochthonen Erzeugnissen dem derzeitigen Trend entspricht. Mit jungem Teran wird eine Suppe der besonderen Art zubereitet, dabei handelt es sich um ein traditionelles Gericht mit geröstetem Brot in einem Krug Rotwein. Diese auch heute noch oft angebotene Kuriosität erinnert an die entbehrungsreichen früheren Zeiten, als diese Suppe oft die einzige Mahlzeit manch armen Bauers war.
Neben den beiden Hauptsorten Malvasier und Teran findet man in Istrien immer öfter Muskatweine, wie den Momjaner Muskateller und den Porecer Muskateller Rosé. Diese Weine eignen sich, besonders wenn sie einen hohen Restzuckergehalt aufweisen, als idealer Begleiter von Süßspeisen. Mit etwas Glück kann man auch rare Weine autochthoner Sorten, wie Borgonjer und Hrvatica, die beide durch ihr zartes Aroma und Körper bestechen, entdecken.
Vom üblichen europäischen Sortiment der Weißweine gedeihen in Istrien Chardonnay, Pinot blanc und Pinot gris sehr gut. Die Qualität dieser Weine wird immer besser, was auch durch zahlreiche internationale Auszeichnungen eindrucksvoll bestätigt wird. In der Regel lassen sie sich gut lagern, wobei in zunehmendem Maß der Ausbau in Barriques zum Einsatz kommt.
Von den europäischen Rotweinreben ist in Istrien der Merlot heimisch geworden, der immer öfter in den Weinbergen zu finden ist. Etwas seltener, aber auch im Aufwärtstrend, sind die hoch geschätzten Bordeauxsorten Cabernet Sauvignon und Cabernet franc.
Wie nur selten in einer Weinregion in Europa werden in Istrien sowohl edle Rot- als auch ausgezeichnete Weißweine erzeugt – die Adria-Halbinsel ist somit für Weinkenner ein besonders lohnendes Ziel.

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